Die Reformation gehört den Protestierenden

Mit falschem Pathos feiern Kirchenfunktionäre und politische Eliten das bevorstehende Reformationsjubiläum, als würde es zu ihnen gehören. Wer soll ihnen glauben? Sind sie es doch, die nach Kräften daran mitarbeiten, die christlichen Wurzeln unseres Landes und Kontinents abzuschneiden. Unter ihrer Regie wurde der 31. Oktober in Brandenburg vom Reformationstag mehr und mehr zum Fest der Gruselclowns.

Zu den prominentesten Scheinchristlichen gehört der Vorsitzende des Rates der EKD, Heinrich Bedford-Strohm. Wenn er sich für Islamunterricht und den Bau von Moscheen in Deutschland einsetzt, mag er sich auf Herrn Erdogan berufen, auf Jesus oder Luther jedoch nicht. Diese waren für ihren Glauben streitbar bis aufs Blut. Ihnen war es nicht gleichgültig, ob wir muslimisch, atheistisch oder christlich leben. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Matth 10,34) Kirchenfunktionäre wie Bedford-Strohm sind die Antithese hierzu: Sie sind religiös indifferent und nur tagespolitisch orientiert.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat in diesem Jahr seine Fronleichnamsmesse auf einem zum Altar erhobenen Flüchtlingsboot zelebriert. Er belehrt uns, Jesus wäre heute Flüchtling. Würde Jesus Schlepper bezahlen und in Nordafrika auf eine Gelegenheit für die Überfahrt nach Europa warten? Die Erhebung des Flüchtlingsboots zur Ikone ist eine eitle Anpassung an das herrschende Dogma. Ob Jesus heute "Flüchtling" wäre, mag dahingestellt sein, ziemlich sicher aber wären Kardinal Woelki oder Bischof Bedford-Strohm zu Zeiten Jesu Pharisäer gewesen: „Alle ihre Werke tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden.“ (Matth. 23, 2 ff)

Auch nur auf den ersten Blick christlich ist es, wenn Kirchenfunktionäre ein Banner mit der Aufschrift: „Christus spricht; ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“ (Matth 25,35) an einer Kirche anbringen lassen, wie im Sommer an der Lutherkirche in Radebeul. Denn dieses Jesuswort bezieht sich auf die unmittelbare menschliche Zuwendung im Einzelfall und taugt nicht zur Heiligsprechung einer Völkerwanderung, die die Identität der aufnehmenden Nationen infrage stellt. Das Gebot der Nächstenliebe heißt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Hilfe um den Preis der Selbstaufgabe ist ganz und gar nicht christlich. Die Antwort der Radebeuler auf das scheinheilige Banner war deshalb so treffend, weil sie genau diesen Unterschied zwischen individuellem und kollektivem Bezug pointiert ausdrückt: "Jesus wertschätzte die Frauen und begrapschte sie nicht.“ (Köln 1.1.16) Das Begrapschen passierte eben aus dem Mob heraus.

Nicht das Andienen an den Zeitgeist, sondern der Widerstand gegen die Auflösung der europäischen Nationen und ihrer Nationalstaaten kann sich auf die abendländische Tradition und die Reformation berufen. Die Reformation steht für die Befreiung unseres Kontinents von dem politischen und geistigen Zugriff durch imperialistische Kräfte. Wie sich die Reformatoren dem päpstlichen Dogma und der kaiserlichen Gewalt widersetzten, stellen sich die Protestierenden des 21. Jahrhunderts dem Dogma der Political Correctness und dem unipolaren Machtanspruch der westlichen Eliten entgegen. Die Regierenden und Kirchenoberen hierzulande haben allen Grund, die Reformation nicht zu feiern, sondern zu fürchten.

Nutzen wir das kommende Jahr, um als Teil einer europaweiten Bürgerbewegung an der tief greifenden politischen und kulturellen Reformation zu arbeiten, ohne die wir unsere Heimat, unser Land und unseren Kontinent verlieren werden. "Nah ist und schwer zu fassen, der Gott. Aber wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch." (Hölderlin).